Bewertung meiner Bachelor-Thesis

Während meines Wirtschaftsinformatik Studiums an der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein in Kiel konnte ich zahlreiche Erfahrungen bzgl. wissenschaftlicher Arbeiten sammeln.

Folgende Zitate fassen den heutigen Anspruch an wissenschaftlichen Arbeiten sehr gut zusammen:

„Beschriebenes Papier ist heutzutage kein knappes Gut mehr.“

– R.A.E. Müller

„Einer muß sich quälen; der Schreiber oder der Leser.“

– Wolf Schneider, u.a. Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“

Inzwischen betreue ich wissenschaftliche Arbeiten von dualen Studenten bei meinem Arbeitgeber und habe meine gesammelten Erfahrungen für diese zusammengefasst.

Die Themenwahl

Ausschlaggebend für die eigene Motivation und die damit verbundene Note ist primär das Thema. Daher sollte man sich überlegen, ob einem das Thema überhaupt selber interessiert und welche Schreibziele (Intentionen) man verfolgen möchte. Schreibziele sind generell auf eine bestimmte Leserschaft gerichtet und nicht auf den Autoren selbst. So sollte siche eine Ausarbeitung beispielsweise als Handlungsempfehlung an einen Entscheidungsträger richten und nicht belanglos als Einarbeitung des Autoren in ein Themengebiet dienen. Desweiteren ist es sehr wichtig, dass man sich vor der Themenwahl informiert, ob man genügend thematische Aspekte und Quellen findet, um die geforderte Seitenzahl zu erreichen, ohne um den „um den heißen Brei herumreden“ zu müssen.

Insbesondere die Themenwahl der Bachelor-Thesis sollte in Anlehnung an die spätere berufliche Ausrichtung geschehen. So kann sie als Einarbeitung bzw. Eintrittskarte in den gewünschten Themenbereich dienen.

Meine Notizen zur Anfertigung wissenschaftlicher Arbeiten

Einleitung = Vertrag mit dem Leser über den Inhalt

  1. Problemstellung bzw. Hinführung zum Thema
  2. Zielsetzung bzw. Zweck der Ausarbeitung
  3. Eventuell Leitfragen
  4. Abgrenzung (was soll mit dieser Arbeit nicht erreicht werden?)
  5. Lösungsweg bzw. Vorgehensweise

Roter Faden

  • Welchen Zweck erfüllt das Kapitel, was ist die Kernaussage?
  • Was erwartet der Leser von dem Kapitel laut Lösungsweg/Vorgehensweise aus der Einleitung?
  • Folgt jeder Satz logisch auf den vorigen?

Formulierungen

  • Sauber und logisch formulieren.
  • Kann ein Satz oder Wort missverstanden werden? Dann neu formulieren.
  • Ist der Text strukturiert?
  • Der Platz (die Zeit des Lesers) ist sehr knapp, verschwede ihn nicht, wenn Sätze oder Wörter weggelassen werden können dann tu es!

Vollverben nutzen€¦ auf die Verben haben, sein und werden verzichten!

Synonyme für häufig verwendete Wörter verwenden. Dazu eignet sich nach meinen Erfahrungen duden.de besser als Word.

Operationalisierung

  • Keinen Konjunktiv verwenden, dadurch wirkt man vor allem bei Handlungsempfehlungen und im Fazit sehr unsicher.
  • In wissenschaftlichen Arbeiten niemals das Pronomen €žman€œ verwenden, denn dies steht für eine oder mehrere unbestimmte Person und kann den Leser verwirren oder den Autoren unsicher wirken lassen.
  • Worstcase: €žMan könnte/müsste/sollte€¦ €œ.

Grafiken

  • Grafiken nur nutzen, wenn diese gut lesbar sind (eventuell nur einen relevanten und vergrößerten Ausschnitt verwenden).
  • Inhalt der Grafik immer erklären, auch wenn dies überflüssig erscheint.
  • Bei der Verwendung von Diagrammen die Achsen erläutern.

Sätze im Fließtext

  • Sich wiederholende Satzanfänge lassen den Text wie eine Aufzählung wirken.
  • Auch wenn es sich tatsächlich um eine Aufzählung handelt, sollte diese über unterschiedliche Satzanfänge verschleiert werden.
  • Nach Möglichkeit Hypotaxe vermeiden bzw. zur besseren Verständlichkeit nie mehr als zwei Nebensätze schreiben.

Quellen

  • Aktuelle Quellen verwenden.
  • Standardwerke von Experten nutzen. Auch falls dies überflüssig erscheint ist es sinnvoll diese als Placebo-Quelle bzw. Ersatz für andere Quellen zu verwenden.

Korrekturlesen

  1. Selber lesen und dabei auf den roten Faden achten und die Word-Rechtschreibeprüfung oder duden.de verwenden.
  2. Rechtschreibeprüfung von vorzugsweise fachfremden Personen.
  3. Je nach Möglichkeit sollte man einige Tage warten und seine Ausarbeitung dann nochmal in ausgedruckter Form lesen. Hierbei fallen einem die meisten Mängel auf, da man das Geschriebene nicht mehr schnell am Bildschirm überfliegt.

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